IKKYO: DIE „ERSTE LEHRE“

Zu den Videosequenzen: https://www.youtube.com/user/pascalolivieraikido/videos?sort=dd&view=0&shelf_id=0

Im Netz erscheinen die Sequenzen nicht in der richtigen Reihenfolge. Stecken wir die Stücke des Puzzles also richtig herum zusammen.

Gezeigt wird der Inhalt des Trainings vom Dienstag, den 7. Juni 2016. Zum Zweck der Aufnahmen entfernten wir uns von unserer Angewohnheit, frei auf den Grundlagen des Aikido zu navigieren und deren viele Seiten zu erforschen. Stattdessen drehte sich der Unterricht um einen gemeinsamen Leitgedanken: dem IKKYO, die „Erste Lehre“ im Aikido.

 Zu Beginn

Das Aikido ist eine lebende Wissenschaft; damit es nicht in der Wiederholung stereotyper Bewegungsabläufe erstarrt, und um von vornherein den Bewegungsgedanken einzubrigen (ohne den das Aikido eine tote Hülle wäre), wird ein Irimi Nage auf einen Überkreuz-Griff angewendet (Ai Hanmi Katate Dori).

Und gerade damit das Training nicht erstarrt, wurde hier bewusst eine sehr luftige Form dieser wunderbaren Technik gewählt. Irimi Nage ist von allen Waza, aus denen sich das Aikido zusammensetzt, die herrlichste, aber auch die schwierigste, denn man ist in ständiger Bewegung, es ist eine Form, bei der keinerlei regungsloses Zwischen- oder Endbild entsteht… Weiterlesen

EINE WOCHE AIKIDO MIT PASCAL OLIVIER IM HOCHSCHWARZWALD – VOM 17. BIS 24. JULI 2016

Herzogenhorn01

Wieder einmal organisiert der Lüneburger Seiryukai e.V. (http://www.aikido-dojo-lueneburg.de/) unter der Leitung von Sybille Haase den einwöchigen Schwarzwald-Lehrgang mit Pascal OLIVIER. Er findet vor malerischer Kulisse und bei bester Luft statt im Leistungszentrum Herzogenhorn.

Wieder einmal wird den Teilnehmern ein sehr vielseitiges, über den Tag verteiltes Training angeboten. Die Woche wird mit je 4 Übungseinheiten / Tag ausgefüllt. Die einzelnen Übungseinheiten teilen sich auf in je eine Einheit mit

  • yogaähnlichem Aikido,
  • allgemeinem Training,
  • Techniktraining
  • und einem Waffentraining.

Dauer des Lehrgangs:

  • Sonntag, den 17. Juli: Anreise ab 14:00 Uhr, Training 16:30 Uhr bis 17:30 Uhr
  • Sonntag, den 24. Juli: Abreise

Kosten:

Die Kosten für den Lehrgang betragen 100€ / Person

Unterbringung:

Im Leistungszentrum wurden 20 Plätze reserviert (2 Bettzimmer). Die restlichen Unterbringungen stehen im Gasthaus Wasmer zur Verfügung.

Alle weiteren Informationen und die Kontaktdaten für die Anmeldung erscheinen in der PDF-Ausschreibung: Bitte hier klicken.

LEHRGÄNGE IN DEUTSCHLAND – BEGEGNUNGEN – VERÖFFENTLICHUNGEN

Hier erscheinen die Fotos vom neulichen Lehrgang in Freiburg (Deutschland).

Ein intimer… und intensiver Lehrgang

Die Teilnehmerzahl zählt nicht: [Eine französische Redewendung sagt:] Je mehr Verrückte sich treffen, desto lauter wird gelacht. Aber im Aikido und Budo ist die Begegnung desto intensiver und der Austausch desto gewinnbringender, je kleiner der Kreis ist.

In Japan zahlt man manchmal (recht) viel Geld, um in kleinem Kreise mit einem Sensei lernen zu dürfen. Jeder hat sich in eine andere Richtung weiter entwickelt, und manche würden gern ihre vergangenen Freundschaften völlig tilgen… Aber die Wirklichkeit ist hartnäckig und die Fakten lassen sich nicht so einfach aus der Welt schaffen.

1982 waren wir eine kleine und wild durcheinander gewürfelte Gruppe und legten Geld zusammen, um uns Privatkurse zu leisten, jeden Donnerstag Nachmittag, in einem kleinen Raum des Aikikai [in Tokio]im zweiten Stock, unter der Leitung von Meister Ishiro SHIBATA. Die Teilnehmer hießen Yoko OKAMOTO und ihr Mann Christopher MULLIGAN (hervorragender amerikanischer Aikidoka), Marie-Louise FRANCINI, Alain VERDIER, Maxime DELHOMME – der später der Vorsitzende des französischen Verbands werden würde – und Pascal OLIVIER. Weiterlesen

PASCAL OLIVIER IN FREIBURG – LEHRGANGSBERICHT

Am 12. und 13. März 2016 war Pascal Olivier für einen Wochenendlehrgang zu Gast beim KAMAI e.V. in Freiburg.

PascalOlivier16031201Der Schwerpunkt lag auf der Arbeit von innen heraus, auf der Wirksamkeit ohne die Suche nach Wirksamkeit.

Die Geheimnisse des fließenden Ki rückten für die Teilnehmer ein bisschen näher…

Ein vollständiger Lehrgangsbericht mit Fotos findet sich auf der Forum-Seite des Vereins:

http://forum.kamai-freiburg.de/aiki1603polivier.htm

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LEHRGANG MIT VOLKER BECKER (Bericht aus Frankreich)

 

EIN AIKIDO-LEBEN

Zum dritten Mal kam unser Freund Volker Becker [aus Norderstedt bei Hamburg] zu Besuch zu uns [nach Ozoir bei Paris]: Der erste Besuch vor fast 3 Jahren war noch informell gewesen, ein Jahr später wurde daraus ein organisierter Lehrgang, um das Glück zu feiern, einen Aikidoka bei uns zu haben, der fast ein halbes Jahrhundert Aikidopraxis mitbringt.

Der Lehrgang kam bei unseren Vereinsmitgliedern sehr gut an, hinterließ aber Lust auf mehr, weil er zugleich sehr reichhaltig und zu kurz gewesen war. Daher wurde beschlossen, die Erfahrung zu wiederholen, um noch mehr davon zu haben.

Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung! Die kurzen Videosequenzen wurden spontan aufgenommen und weder geschnitten, noch korrigiert, noch sind sie eine Auswahl aus umfangreicherem Material. (Mehr Aufnahmen haben wir bis jetzt nicht.) Jeder kann sich sein eigenes Bild machen.

Man sieht der Leichtigkeit, mit der die Techniken ausgeführt sind, das halbe Jahrhundert Aikido-Erfahrung sofort an; der Lehrgang setzte denn auch den Schwerpunkt weniger auf die technischen Aspekte, als auf die PRINZIPIEN, bei denen die echten Aikidoka (und Budoka) aller Horizonte jenseits ihrer stilistischen Unterschiede zusammenfinden: Spontaneität der Geste, Logik der Bewegung aus Sicht sowohl des Budo als der Anatomie; Freiheit der Bewegung (weder Hürden noch plötzliche Rhythmuswechsel bei der Ausführung), letzten Endes also Fluss UND Reinheit des Stils. Weiterlesen

Fotos vom Lehrgang in München am 18. und 19. April 2015

Am 18. und 19. April fand in München ein Lehrgang mit Pascal Olivier statt. Dieter Benders von der Abteilung Aikido der FTM hat uns wieder seine Sammlung von fotografischen Impressionen zur Verfügung gestellt.

Bitte hier klicken um die PDF-Datei zu öffnen

TECHNIK IM DETAIL Nr. 1, 1. TEIL: SHIHO NAGE

Dies ist der erste Teil eine geplanten Serie, mit der den Aikidoka diverse Technikformen, die das Aikido ganz besonders ausmachen, zur Betrachtung vorgelegt werden sollen.

Natürlich sind sie auf keinen Fall als die einzig möglichen Wege zu verstehen; es gibt ebenso viele Aikidoka wie Arten, eine Technik auszuführen, und jeder übt die Waza je nach eigenen Zielsetzungen und Körperbau. Die Grundsätze müssen aber gleich bleiben.

Zwar ist es erlaubt und sogar empfehlenswert, mit den Varianten und Ausführungsarten der Techniken herum zu spielen. Aber unser Training muss auf einem stabilen Fundament fußen, das sich durch lange gesammelte Erfahrung herausgebildet hat – unsere eigene Erfahrung, aber auch die, die uns unsere Sensei hinterlassen haben.

„Die Erfahrung beleuchtet nur den bereits zurück gelegten Weg“, sagt ein Sprichwort. Aber das stimmt nicht. Die Erfahrung gibt auch auf dem Rest des Weges Licht, sofern man dieses Licht nach vorne statt nach hinten richtet, denn nach hinten hilft es nicht. Weiterlesen

VORFÜHRUNG: IAI, EINHEIT DES SEINS

Die elf Techniken, die hier vorgestellt werden, lernte ich in den Siebzigerjahren bei Meister FLOQUET. (Siehe auch vorigen Artikel.) Ihre Abfolge nannte man damals üblicherweise das Iai der Schule KATORI SHINTO RYU. Sie entstammten den Lehren der Meister MOCHIZUKI, Vater une Sohn, und wurden daher auch manchmal „Yoseikan Shinto Ryu“ genannt. Die Schüler des Yoseikan-Aikido konnten sich damals (siehe vorigen Artikel) nach Lust und Launean dieser wunderbaren Quelle nähren.

So weit, so gut, es geht aber nicht darum, sich ausdrücklich zur Lehre des Einen oder Anderen zu bekennen, und zwar aus mehreren Gründen:

– Meister Hiroo MOCHIZUKI hat sich seit langem in eine sehr persönliche Richtung weiter entwickelt und lehrt diese Formen nicht mehr, auch wenn sie in einem wunderbaren, von ihm verfassten Buch erscheinen, das schon im vorigen Artikel erwähnt wurde.

– Meister Alain FLOQUET, die absolute Referenz in meiner persönlichen Geschichte im wahren Budo, ging ebenfalls einen ganz eigenen Pfad, vor allem in Kontakt mit Meister Yoshio SUGINO (für das Katori), zu dessen autorisiertesten Repräsentanten er gehört. Die heutige Praxis von Meister FLOQUET entspricht also nicht mehr genau den Grundsätzen, die er vor 40 Jahren lehrte. Weiterlesen

SCHON 40 JAHRE!

Programm der (französischsprachigen) Videoaufzeichnung:

1. bis 9. Minute: Allgemeinheiten über das Budo – Ethik, Protokoll, Verhalten, Grundsätze

9. bis 16. Minute: Vorführung der Aikido-Prinzipien sowie der 6 Wurf-Grundtechniken,

16. bis 29. Minute: Diverse Techniken: Kunst des Tai Sabaki (Ausweichbewegung), Tanto Dori, lockere Techniken

DIE VORFÜHRUNG richtet sich an ein gemischtes Publikum, einschileßlich Anfänger. Trotz der Anwesenheit unseres historischen Meisters Alain FLOQUET und anderer Persönlichkeiten der Welt des Aiki werden die ethischen und technischen Grundsätze eingehend vorgeführt.

SOLLTEN SIE NICHT über die ganzen 29 Minuten Zeit verfügen, können Sie natürlich direkt zur 9. Minute (Darstellung der Grundsätze) oder zur 16. Minute (Anfang der Vorführung in normaler Geschwindigkeit) vorspulen.

 

40 JAHRE C.E.R.A.

Kleines Flashback: 1974 gründete Sensei Alain FLOQUET, der bis dahin mit Meister Hiroo MOCHIZUKI die Gruppe „Aikido Yoseikan“ geführt hatte, den „Cercle d’Études et de Recherche sur l’Aïki“ (Aiki-Studien- und Forschungskreis). (Damals hieß es noch „Aikido“, 8 Jahre später taufte Meister FLOQUET es dann in „Aikibudo“ um.) Weiterlesen

DAS BUDO IM KONTEXT DER JAPANISCHEN TRADITIONEN

Dieser Artikel entstand ursprünglich im Auftrag einer Fachzeitschrift,. Als sie den unentgeltlich eingelieferten Artikel erhielt, veröffentlichte sie ihn doch nicht- ngeblich hatte man den Auftrag versehentlich an den falschen Adressaten geschickt. Daher richten sich diese Zeilen nun an die Leser dieses Weblogs.

Ohne die Zurückhaltungspflicht, die sich von selbst versteht, wenn man für eine Veröffentlichung für ein breiteres Publikum schreibt, wurde dieser Text geringfügig in Richtung einer höheren Gedankenfreiheit überarbeitet.

Viel Spaß beim Lesen – und natürlich vor allem beim Trainieren.

P.O.


 

Bild aus dem Blog aikidotenjinkai.centerblog.net

(Foto: Christian GELING)

Nichts entsteht einfach aus dem Nichts heraus! Japan ist die Geburtsstätte von Künsten, die wir mit einem Engagement üben, das im Land der Aufgehenden Sonne so nicht mehr gelebt wird. Das Land hat der Welt ein Erbe vermacht, das geduldig über die Jahrhunderte einer von Leidenschaften geprägten, spannenden Geschichte entstanden ist, einer Abwechselung von Verwerfungen und kurzlebigen Versöhnungen. Bis dann einige echte Staatsmänner ihre Eigeninteressen ausreichend zurückstellen konnten und es vermochten, eine dauerhafte Pax Japonica zu etablieren, die danach kaum noch in Frage gestellt wurde.

Die Bezeichnung „WA“ („Frieden“), die man beispielsweise in „Showa“ wiederfindet (der „Aufgeklärte Frieden“, d.h. die Ära von 1926 bis 1989), oder in Wado-Ryu (ein von Meister Hironori OTSUKA entwickelter Karatestil, der das Auffangen von Angriffen durch locker ausgeführtes Ausweichen bevorzugt), ist in der japanischen Umgangssprache mittlerweile ein Synonym für „Japan“ geworden. Weiterlesen

Der Tenjinkai-Aikido-Blog 2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Ein New York City U-Bahnzug fasst 1.200 Menschen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 4.800 mal besucht. Um die gleiche Anzahl von Personen mit einem New York City U-Bahnzug zu befördern wären etwa 4 Fahrten nötig.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

AIKIDO, EINE KUNST DER SCHÖNHEIT UND DER HARMONIE

 

Die Schönheit,

das absolute Heilmittel

gegen Trübsal

DIE HÄSSLICHKEIT hält überall Einzug und bezeichnet unser heutiges Leben. Das muss man niemandem erklären. Jeder sieht sie überall und in allen Bereichen, in der Kunst, der Wirtschaft, und von der Politik wollen wir gar nicht erst reden, da gibt es ja auch nichts zu sagen, die Lenker eines Landes oder einer Zeit sind der exakte Gegenpart zu den Völkern, die sie zur Macht getragen haben.

Das Heilmittel besteht darin, jeden Medienkonsum einzustellen. Es kostet nichts, ganz im Gegenteil! Sie bekommen ein Gefühl von Freiheit, von Befreiung, wenn Sie der Bequemlichkeitsversuchung widerstehen, Fernseher oder Radio einzuschalten.

In einer Zeit, in der uns die technischen Mittel bis in die letzten Winkel unserer Existenz verfolgen können, darf man nicht vergessen, dass jeder von uns seinen freien Willen besitzt und entscheiden kann, mit Denkschablonen, Formatierung und Mediendiktat Schluss zu machen. Mit einem einzigen Fingerdruck kann man alles beenden.

EIN ZITAT von Jean-Auguste Dominique INGRES (1780-1867), diesem talentierten Maler, dessen bezeichnendste Meisterstücke uns in Erinnerung bleiben, mit ihren skoliosegeschundenen Wirbelsäulen und den endlosen und gerundeten Rücken. Folgendes lehrte dieser echte Ästhet seine Schüler: Weiterlesen

DAS SCHWERT DES AIKI, TEIL 5 – HAUSAUFGABEN

 

MITTLERWEILE dürften die beschriebenen Schwertübungen besser sitzen, und man hat mehr Selbstvertrauen, mehr Fertigkeit (wenn auch erst mal nur eine Grundfertigkeit) und vor allem mehr BEWEGLICHTKEIT, und das ist das Schlüsselwort, der Grund überhaupt für all diese Übungen. Der Moment ist für eine heiklere Übung gekommen, für die sehr zu empfehlen zu ist, nur ein stumpfes Schwert zu nutzen, bis die Bewegung perfekt sitzt.

Hier wird des Schwert nämlich nach oben gezogen. Und wenn man nicht aufpasst, kann man sich leicht in die Hand schneiden und dabei auch noch die Öffnung der Scheide aufschlitzen. Die Bewegungen, die danach kommen, sind weit und schwungvoll und Sie sollten sie absolut beherrschen und fern von Mensch und Tier üben, am besten auch fern von den Pflanzen, an denen Sie hängen, da es hier eine weit ausladende Bewegung ist.

Das „Streicheln“ der Schneide ist hier der furchterregendste Teil der Technik, denn selbst wenn sie nicht tief schneidet, kann sie dennoch ins Fleisch gehen. Man kann sich die Frage stellen, ob der Katana nicht ursprünglich sogar für solche Sägebewegungen erfunden wurde. Weiterlesen

DAS SCHWERT DES AIKI, TEIL 4

DER HEUTIGE BEWEGUNGSABLAUF besteht aus einem Schwertziehen mit Abwehrfunktion, durch eine fließende Bewegung, die in ihrer Logik die Krümmung des gezogenen Schwerts verlängert.

Es handelt sich um eine „präventive Bewegung“, denn es wäre illusorisch, anzunehmen, dass man einen Angriff auf diese Art wirklich blockieren könnte!

Es ist hingegen schlüssig, den Körper nach vorne aus der Linie heraus zu bewegen und sich dabei nach oben hin zu schützen.

Wir wissen jedoch, dass die Schwertbewegungen (gemeint ist das „Schwert des Lebens“, das im Budo erwähnt wird, im Gegensatz zum „Schwert des Todes“ aus früheren Jahrhunderten) nicht allein einer Verteidigungslogik entsprechen, sondern vielmehr einer kontinuierlichen Bewegungsperfektionierung dienen.

Was uns betrifft, haben wir sie dem Aikidotraining angepasst, sodass sie den Aikidoka dabei unterstützen, seine Mobilität, seinen Bewegungsfluss und das unterbrechungsfreie Aufeinanderfolgen der verschiedenen Handlungen zu entwickeln, sowie die unverzichtbare Positionierung der Mitte, die zugleich gut aufgebaut aber nicht erstarrt sein darf (alles ist in der Feinabstimmung…).

Nach diesem Start im „Uke-Nagashi“ („empfangen und dabei fließen lassen“ – was die Bedeutung gut ausdrückt: Man darf einen – theoretischen – Angriff nicht blockieren, sondern lässt ihn fließen, das ist der Unterschied) erfolgt eine Rotation auf dem rechten Bein und gleichzeitig eine schräg verlaufende Rückkehr des Schwerts in „Yoko Men“-Manier. Darauf folgt ein weiterer, unverkrampfter(!) „Schnitt“, während das linke Bein nach vorne geht. Zum Abschluss gibt es eine senkrechte Bewegung, mit der man wieder mit dem rechten Fuß nach vorne geht. Diese letzte Aktion kann einfach eine Rückkehr in die Wehrhaltung sein (und das bedeutet, dass man die Arme ohne zusätzliche Muskelanspannung bewegt, da sie sich sonst verkrampfen könnten!).

Die Genussphase (oder Zanshin) kann wie immer unbegrenzt fortgesetzt werden. Für die Zwecke der Videoaufnahme wurde sie allerdings kurz gehalten.

Danach geht das Schwert zurück in die Scheide, nach einer eventuellen „Shiburi“-Geste („das Blut abklopfen“, wie in vorigen Teilen dieser Serie behandelt), natürlich in einem Fluss.

Gutes Training!

Pascal OLIVIER.


Die französische Originalfassung dieses Artikels erschien am 22. Juni 2014.

DAS SCHWERT DES AIKI, TEIL 3

IN DIESEM TEIL wird ein flüssiges Schwertziehen vorgeschlagen, das wie folgt abläuft.

Im aufrechten Stand hält man das [noch nicht gezogene] Schwert am Gürtel, sodass es die Körpermittellinie „kreuzt“ (leicht quer halten), und beginnt damit, sein Gegenüber „nach hinten zu drängen“, wobei die Bewegung nicht genau geradeaus, sondern eher leicht schräg nach rechts geht.

Dadurch erfolgt die erste Bewegung nicht geradlinig und exakt vorwärts, sondern eher auf einer Schrägen. Dieser Punkt ist wichtig, denn wenn man sich die Körperstruktur anschaut, ist eine abgerundete Bewegung grundsätzlich gegeigneter, weil natürlicher und somit leichter durchzuführen, und damit auch „effizienter“ unter dem Gesichtspunkt der technischen Wirksamkeit, als eine perfekt geradlinige Bewegung. Weiterlesen

DAS SCHWERT DES AIKI, TEIL 2

WIEDER EINMAL finden wir über bewegte Bilder zusammen und erkunden den Weg des Aiki über das Schwert ein Stück weiter. Die Grundlage dieser Filmaufnahmen wurde im ersten Teil erläutert: Es ist für einen Aikidoka mit ein paar Jahren Erfahrung legitim und sogar unverzichtbar, Waffen korrekt führen zu können, und zwar in erster Linie das Schwert und den Stock (Jo). Den wesentlichen Anteil an seinen Übungen müssen natürlich die waffenlosen Techniken behalten. Denn vergessen wir nicht: Sie sind der Hauptgrund dafür, dass es das Aikido überhaupt gibt. In diesem Sinne sollte das Waffentraining nur einen kleinen Teil der Zeit im Dojo darstellen. Der Aikidoka sollte dann weitere Übungen außerhalb des Gruppentrainings durchführen. Weiterlesen

DAS SCHWERT DES AIKI, TEIL 1

Zunächst eine Klarstellung

Im Aikido kann nicht die Rede davon sein, mit „Waffen“ im gewöhnlichen Sinne zu üben; es gibt eine ganze Menge an Schulen, die sich weiterhin mit der Waffenarbeit befassen (Schwert, langer Stock, mittellanger Stock, Naginata und andere), und zwar häufig in Formen, von denen man sagen muss, dass sie in einer anderen Zeit still gestanden zu sein scheinen. Man fragt sich aber auch, welchen Bezug sie überhaupt zur Wirklichkeit eines Schlachtfelds haben können.

Viele Aikidoka folgen einer dieser Schulen. Auch wenn es gut ist, über Grundlagen in der Handhabung des Schwerts und des mittellangen Stocks (namens „Jo“, was auf japanisch Rohrstock oder Spazierstock heißt) zu verfügen, wäre es überzogen, die Gesamtheit dieser Übungen in die Aiki-Übungen zu importieren. Diese genügen sich nämlich selbst, sagte schon der Gründermeister selbst sehr oft.

Da gibt es ein echtes Dilemma: Soll man an vielen Quellen trinken (Meister UESHIBA war sich dafür keineswegs zu schade und dies hat ihn ja erst zu dem gemacht, was er war), ohne aber mit dem Gesamtpaket an Prinzipien konform zu gehen, die in diesen Schulen gelehrt werden? Übernimmt man alles, bekommt das Üben des Aiki nicht mehr den Vorrang, der ihm gebührt, und wird stattdessen den (manchmal sehr kantigen) Grundsätzen unterworfen, die in diesen Schulen vorherrschen.

So manche Aikidoka glauben, die Antworten auf viele technische Fragen zu finden, indem sie Zuflucht in diesen erstarrten Formen suchen. Damit kommen sie aber ausgerechnet von dem Weg ab, den sie eigentlich beschreiten wollten… Die Wahrheit mag vielleicht grausam sein, aber das Aikido erlaubt einen solch weiten Interpretationsspielraum, dass manche sich darin verlieren. Sie finden Sicherheit in den unverrückbaren und „schlüsselfertigen“ Lehren bestimmter Schulen, die behaupten, dass diese Lehren seit Menschengedenken bestehen. Manchmal finden sie auch Gefallen daran, in vermeintliche Geheimnisse eingeweiht zu werden (die gar keine sind), und genießen das berauschende Gefühl, zu den glücklichen Auserwählten zu gehören, die Zugang zu den Heiligtümern bekommen. Vergessen wir aber nicht eines: Wir sind im 21. Jahrhundert. Weiterlesen

LEHRGANGSBERICHT VOM 21. UND 22. MÄRZ 2014 MIT VOLKER BECKER, ZU GAST IN FRANKREICH

[Anmerkung des Übersetzers: Hier berichtet Pascal Olivier von einem Lehrgang in seinem eigenen Verein im Umland von Paris, bei dem Volker Becker aus Norderstedt bei Hamburg als Trainer gastierte.]
 

Man lebt nur einmal

Bevor ich detaillierter über Kontext und Ablauf dieses FABELHAFTEN Lehrgangs (dieses Adjektiv nutzten mehrere Teilnehmer, als sie sich unabhängig voneinander für die Ausrichtung dieses Lehrgangs bedankten) vom Freitag den 21. März am Abend bis Samstag den 22. um 13h12 berichte, ist es sinnvoll, noch einmal auf einige grundsätzliche Aspekte der Motivation einzugehen, die Aikidoka und allgemeiner auch Budoka animieren können.

Die erste Frage lautet: Warum treiben wir Aikido bzw. Budo? Wozu, und auch für was, also mit welchem Ziel, mit welcher Motivation, welcher Hoffnung, oder mit welchen Hoffnungen?

Wenn man anschaut, was offensichtlich viele Besucher umtreibt und ihr Urteilsvermögen bestimmt, hat man mitunter Anlass zur Verwunderung. Weiterlesen

FOTOS VOM LEHRGANG IN MÜNCHEN (MÄRZ 2014)

Am 15. und 16. März fand in München ein Lehrgang mit Pascal Olivier stat. Dieter Benders von der Abteilung Aikido der FTM hat uns freundlicherweise wieder eine Sammlung von fotografischen Impressionen zur Verfügung gestellt.

Bitte hier klicken um die PDF-Datei zu öffnen.

„PASSION JAPON“ – ein Buch für alle Budoka

Das Buch „PASSION JAPON“ („Japan leidenschaftlich„) wurde am 7. Oktober 2013 fertig. Sein Autor hat eine Leidenschaft für Japan entwickelt und wurde in dieses Land vom Edelsten gelockt, das es hervor gebracht hat: dem Budo, also dem kulturellen Sockel, auf dem sich eine echte Zivilisation aufgebaut hat, deren Mittel in die ganze Welt exportiert und überall mit dem Interesse und oft der Leidenschaft aufgenommen wurden, die ihnen gebührten.

PASSION JAPON“ nimmt einen einwöchigen Aufenthalt im Frühling 2013 in Japan zum Anlass, um auf dem Wege manchmal (oder oft) amüsanter Anekdoten ein Land vorzustellen, das immer noch weitgehend unbekannt ist, insbesondere (und das sollte eigentlicht nicht sein) von vielen Praktizierenden des Budo.

Die vielfältigsten, aber auch die zeitlosesten Aspekte der japanischen Zivilisation werden fein durchkämmt und mit der Distanziertheit dargestellt, die entsteht, wenn man ein Land über vierzig Jahre hinweg immer wieder besucht und davon allein zehn Jahre in Tokio damit verbracht hat, bei Sensei Aikido zu lernen, deren Meisterschaft in dieser Kunst außer Frage steht. Weiterlesen