Archiv der Kategorie: Japan

DIE RESTAURIERUNG EINES JAPANISCHEN SCHWERTS (KATANA)

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Quelle: aikidotenjinkai.centerblog.net auf Centerblog.

BITTE BEACHTEN SIE: Dieser Artikel soll die Leser nicht dazu ermutigen, eine ergebnisoffene Instandsetzung eines antiken Katanas zu versuchen. Denn so etwas sollte von einem Spezialisten durchgeführt werden – wenn möglich in Japan. Was hier beschrieben wird, ist eine Restaurierung im Sinne der Aufbewahrung und Pflege, um die wesentliche Struktur des Schwerts zu schützen, ohne etwas darüber hinaus zu verändern. Solch Zubehör hingegen wie etwa die kleinen, provisorischen Metallteile, die Scheide oder der Griff, ist dazu berufen, ungefähr einmal alle hundert Jahre ausgetauscht zu werden. Daher ist es normal, dass alte oder antike Klingen auf modernen Fassungen stecken.

Satz des Tages:

„Es gibt nichts, das wir nicht selbst vollbringen können. Man muss suchen, und die Inspiration finden; dann mit Geduld und Methode voran gehen.“

Geschichte einer Begegnung

Es begann mit dem Besuch einer „Börse für alte Waffen“ in einem Dorf im unmittelbaren Umland des Pariser Flughafens von Roissy. Zwar boten fast alle Stände ausschließlich Schusswaffen an (Peng! Peng!), aber man musste die Augen offen halten, denn wo „alte Waffen“ drauf steht, dort findet man immer ein paar Schwerter oder Messer aus Japan. Die befinden sich in ganz unterschiedlichen Erhaltungszuständen, von perfekt bis weitgehend zerfallen. Die Preise sind auch entsprechend, aber in jedem Fall deutlich günstiger, als bei den meisten Antiquaren. Weiterlesen

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TAI SABAKI, KOTE GAESHI, UDE GARAMI

ENDE EINES „JAHRES“

FRANKREICH ist wahrscheinlich das einzige Land, in dem die letzten Junitage als ein „Jahresende“ betrachtet werden.

Wenn Studenten und Aikidoka sich in die (lange, zu lange) Sommerpause verabschieden, wünschen sie sich schöne Ferien und rufen sich zu: „Bis zum nächsten Jahr!“ Damit meinen sie eigentlich nur ein Wiedersehen im September.

So ist es auch für die Dojos, die städtische Hallen sind: Ohne Sondergenehmigung, die man im Rathaus beantragen muss, bleiben die Sporthallen zwei volle Monate geschlossen. Vielleicht schafft man es, ausnahmsweise im Juli ein paar Mal Zugang zu bekommen, aber dann kommen ohnehin nur wenige ins Training; danach kommt die fast achtwöchige Zwangspause, und dann hat man erst mal ausreichend Zeit, um mental und körperlich alles zu vergessen, was man im Laufe des „Jahres“ (September bis Juni) gelernt hatte.

In Japan zum Beispiel dauert die Dojo-Pause trotz des tropischen Sommers (schwüle Hitze von Juni bis September) nur eine kurze Woche und entspricht dem „Fest der Toten“ oder Obon: Wie in der Neujahrszeit läuft das Land dann langsamer. Diese Zeit wird zum Beispiel für eine Rückkehr ins Geburtsdorf genutzt, wo man bei seinen guten alten Eltern ein bisschen Energie tankt. Oder man besucht einen Thermalort (wo man vor allem gesunde Leute allen Alters und aus allen Gesellschaftsschichten antrifft). Danach geht es wieder zurück ins Dojo und das Training geht schon wieder los.

DER KÖRPER hat ein Gedächtnis. Deswegen ist es schade, zwei ganze Monate lang nichts mehr zu tun. Weiterlesen

SCHON 40 JAHRE!

Programm der (französischsprachigen) Videoaufzeichnung:

1. bis 9. Minute: Allgemeinheiten über das Budo – Ethik, Protokoll, Verhalten, Grundsätze

9. bis 16. Minute: Vorführung der Aikido-Prinzipien sowie der 6 Wurf-Grundtechniken,

16. bis 29. Minute: Diverse Techniken: Kunst des Tai Sabaki (Ausweichbewegung), Tanto Dori, lockere Techniken

DIE VORFÜHRUNG richtet sich an ein gemischtes Publikum, einschileßlich Anfänger. Trotz der Anwesenheit unseres historischen Meisters Alain FLOQUET und anderer Persönlichkeiten der Welt des Aiki werden die ethischen und technischen Grundsätze eingehend vorgeführt.

SOLLTEN SIE NICHT über die ganzen 29 Minuten Zeit verfügen, können Sie natürlich direkt zur 9. Minute (Darstellung der Grundsätze) oder zur 16. Minute (Anfang der Vorführung in normaler Geschwindigkeit) vorspulen.

 

40 JAHRE C.E.R.A.

Kleines Flashback: 1974 gründete Sensei Alain FLOQUET, der bis dahin mit Meister Hiroo MOCHIZUKI die Gruppe „Aikido Yoseikan“ geführt hatte, den „Cercle d’Études et de Recherche sur l’Aïki“ (Aiki-Studien- und Forschungskreis). (Damals hieß es noch „Aikido“, 8 Jahre später taufte Meister FLOQUET es dann in „Aikibudo“ um.) Weiterlesen

DAS BUDO IM KONTEXT DER JAPANISCHEN TRADITIONEN

Dieser Artikel entstand ursprünglich im Auftrag einer Fachzeitschrift,. Als sie den unentgeltlich eingelieferten Artikel erhielt, veröffentlichte sie ihn doch nicht- ngeblich hatte man den Auftrag versehentlich an den falschen Adressaten geschickt. Daher richten sich diese Zeilen nun an die Leser dieses Weblogs.

Ohne die Zurückhaltungspflicht, die sich von selbst versteht, wenn man für eine Veröffentlichung für ein breiteres Publikum schreibt, wurde dieser Text geringfügig in Richtung einer höheren Gedankenfreiheit überarbeitet.

Viel Spaß beim Lesen – und natürlich vor allem beim Trainieren.

P.O.


 

Bild aus dem Blog aikidotenjinkai.centerblog.net

(Foto: Christian GELING)

Nichts entsteht einfach aus dem Nichts heraus! Japan ist die Geburtsstätte von Künsten, die wir mit einem Engagement üben, das im Land der Aufgehenden Sonne so nicht mehr gelebt wird. Das Land hat der Welt ein Erbe vermacht, das geduldig über die Jahrhunderte einer von Leidenschaften geprägten, spannenden Geschichte entstanden ist, einer Abwechselung von Verwerfungen und kurzlebigen Versöhnungen. Bis dann einige echte Staatsmänner ihre Eigeninteressen ausreichend zurückstellen konnten und es vermochten, eine dauerhafte Pax Japonica zu etablieren, die danach kaum noch in Frage gestellt wurde.

Die Bezeichnung „WA“ („Frieden“), die man beispielsweise in „Showa“ wiederfindet (der „Aufgeklärte Frieden“, d.h. die Ära von 1926 bis 1989), oder in Wado-Ryu (ein von Meister Hironori OTSUKA entwickelter Karatestil, der das Auffangen von Angriffen durch locker ausgeführtes Ausweichen bevorzugt), ist in der japanischen Umgangssprache mittlerweile ein Synonym für „Japan“ geworden. Weiterlesen

DAS SCHWERT DES AIKI, TEIL 1

Zunächst eine Klarstellung

Im Aikido kann nicht die Rede davon sein, mit „Waffen“ im gewöhnlichen Sinne zu üben; es gibt eine ganze Menge an Schulen, die sich weiterhin mit der Waffenarbeit befassen (Schwert, langer Stock, mittellanger Stock, Naginata und andere), und zwar häufig in Formen, von denen man sagen muss, dass sie in einer anderen Zeit still gestanden zu sein scheinen. Man fragt sich aber auch, welchen Bezug sie überhaupt zur Wirklichkeit eines Schlachtfelds haben können.

Viele Aikidoka folgen einer dieser Schulen. Auch wenn es gut ist, über Grundlagen in der Handhabung des Schwerts und des mittellangen Stocks (namens „Jo“, was auf japanisch Rohrstock oder Spazierstock heißt) zu verfügen, wäre es überzogen, die Gesamtheit dieser Übungen in die Aiki-Übungen zu importieren. Diese genügen sich nämlich selbst, sagte schon der Gründermeister selbst sehr oft.

Da gibt es ein echtes Dilemma: Soll man an vielen Quellen trinken (Meister UESHIBA war sich dafür keineswegs zu schade und dies hat ihn ja erst zu dem gemacht, was er war), ohne aber mit dem Gesamtpaket an Prinzipien konform zu gehen, die in diesen Schulen gelehrt werden? Übernimmt man alles, bekommt das Üben des Aiki nicht mehr den Vorrang, der ihm gebührt, und wird stattdessen den (manchmal sehr kantigen) Grundsätzen unterworfen, die in diesen Schulen vorherrschen.

So manche Aikidoka glauben, die Antworten auf viele technische Fragen zu finden, indem sie Zuflucht in diesen erstarrten Formen suchen. Damit kommen sie aber ausgerechnet von dem Weg ab, den sie eigentlich beschreiten wollten… Die Wahrheit mag vielleicht grausam sein, aber das Aikido erlaubt einen solch weiten Interpretationsspielraum, dass manche sich darin verlieren. Sie finden Sicherheit in den unverrückbaren und „schlüsselfertigen“ Lehren bestimmter Schulen, die behaupten, dass diese Lehren seit Menschengedenken bestehen. Manchmal finden sie auch Gefallen daran, in vermeintliche Geheimnisse eingeweiht zu werden (die gar keine sind), und genießen das berauschende Gefühl, zu den glücklichen Auserwählten zu gehören, die Zugang zu den Heiligtümern bekommen. Vergessen wir aber nicht eines: Wir sind im 21. Jahrhundert. Weiterlesen

„PASSION JAPON“ – ein Buch für alle Budoka

Das Buch „PASSION JAPON“ („Japan leidenschaftlich„) wurde am 7. Oktober 2013 fertig. Sein Autor hat eine Leidenschaft für Japan entwickelt und wurde in dieses Land vom Edelsten gelockt, das es hervor gebracht hat: dem Budo, also dem kulturellen Sockel, auf dem sich eine echte Zivilisation aufgebaut hat, deren Mittel in die ganze Welt exportiert und überall mit dem Interesse und oft der Leidenschaft aufgenommen wurden, die ihnen gebührten.

PASSION JAPON“ nimmt einen einwöchigen Aufenthalt im Frühling 2013 in Japan zum Anlass, um auf dem Wege manchmal (oder oft) amüsanter Anekdoten ein Land vorzustellen, das immer noch weitgehend unbekannt ist, insbesondere (und das sollte eigentlicht nicht sein) von vielen Praktizierenden des Budo.

Die vielfältigsten, aber auch die zeitlosesten Aspekte der japanischen Zivilisation werden fein durchkämmt und mit der Distanziertheit dargestellt, die entsteht, wenn man ein Land über vierzig Jahre hinweg immer wieder besucht und davon allein zehn Jahre in Tokio damit verbracht hat, bei Sensei Aikido zu lernen, deren Meisterschaft in dieser Kunst außer Frage steht. Weiterlesen

IM ANGEDENKEN AN MEISTER NORO (21. Januar 1935 – 15. März 2013)

DEM GRÖßTEN VON ALLEN

Ein großer Meister ist von uns gegangen.

Der größte Meister ist nicht mehr.

Am 15. März 2013 hat der Mann, der die spirituelle und technische Botschaft von Meister UESHIBA am besten integriert, verinnerlicht, aufgenommen und deren Übertragung sein gesamtes Leben gewidmet hat, unsere Welt verlassen: der große, der sehr große, der überragende Meister Masamichi NORO. (Das ist natürlich eine sehr persönliche Meinung, doch wer direkten Zugang zu seiner Lehre hatte, wird dem sicher nur beipflichten können.) Weiterlesen