Archiv der Kategorie: Erinnerungen

VORFÜHRUNG: IAI, EINHEIT DES SEINS

Die elf Techniken, die hier vorgestellt werden, lernte ich in den Siebzigerjahren bei Meister FLOQUET. (Siehe auch vorigen Artikel.) Ihre Abfolge nannte man damals üblicherweise das Iai der Schule KATORI SHINTO RYU. Sie entstammten den Lehren der Meister MOCHIZUKI, Vater une Sohn, und wurden daher auch manchmal „Yoseikan Shinto Ryu“ genannt. Die Schüler des Yoseikan-Aikido konnten sich damals (siehe vorigen Artikel) nach Lust und Launean dieser wunderbaren Quelle nähren.

So weit, so gut, es geht aber nicht darum, sich ausdrücklich zur Lehre des Einen oder Anderen zu bekennen, und zwar aus mehreren Gründen:

– Meister Hiroo MOCHIZUKI hat sich seit langem in eine sehr persönliche Richtung weiter entwickelt und lehrt diese Formen nicht mehr, auch wenn sie in einem wunderbaren, von ihm verfassten Buch erscheinen, das schon im vorigen Artikel erwähnt wurde.

– Meister Alain FLOQUET, die absolute Referenz in meiner persönlichen Geschichte im wahren Budo, ging ebenfalls einen ganz eigenen Pfad, vor allem in Kontakt mit Meister Yoshio SUGINO (für das Katori), zu dessen autorisiertesten Repräsentanten er gehört. Die heutige Praxis von Meister FLOQUET entspricht also nicht mehr genau den Grundsätzen, die er vor 40 Jahren lehrte. Weiterlesen

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SCHON 40 JAHRE!

Programm der (französischsprachigen) Videoaufzeichnung:

1. bis 9. Minute: Allgemeinheiten über das Budo – Ethik, Protokoll, Verhalten, Grundsätze

9. bis 16. Minute: Vorführung der Aikido-Prinzipien sowie der 6 Wurf-Grundtechniken,

16. bis 29. Minute: Diverse Techniken: Kunst des Tai Sabaki (Ausweichbewegung), Tanto Dori, lockere Techniken

DIE VORFÜHRUNG richtet sich an ein gemischtes Publikum, einschileßlich Anfänger. Trotz der Anwesenheit unseres historischen Meisters Alain FLOQUET und anderer Persönlichkeiten der Welt des Aiki werden die ethischen und technischen Grundsätze eingehend vorgeführt.

SOLLTEN SIE NICHT über die ganzen 29 Minuten Zeit verfügen, können Sie natürlich direkt zur 9. Minute (Darstellung der Grundsätze) oder zur 16. Minute (Anfang der Vorführung in normaler Geschwindigkeit) vorspulen.

 

40 JAHRE C.E.R.A.

Kleines Flashback: 1974 gründete Sensei Alain FLOQUET, der bis dahin mit Meister Hiroo MOCHIZUKI die Gruppe „Aikido Yoseikan“ geführt hatte, den „Cercle d’Études et de Recherche sur l’Aïki“ (Aiki-Studien- und Forschungskreis). (Damals hieß es noch „Aikido“, 8 Jahre später taufte Meister FLOQUET es dann in „Aikibudo“ um.) Weiterlesen

DAS BUDO IM KONTEXT DER JAPANISCHEN TRADITIONEN

Dieser Artikel entstand ursprünglich im Auftrag einer Fachzeitschrift,. Als sie den unentgeltlich eingelieferten Artikel erhielt, veröffentlichte sie ihn doch nicht- ngeblich hatte man den Auftrag versehentlich an den falschen Adressaten geschickt. Daher richten sich diese Zeilen nun an die Leser dieses Weblogs.

Ohne die Zurückhaltungspflicht, die sich von selbst versteht, wenn man für eine Veröffentlichung für ein breiteres Publikum schreibt, wurde dieser Text geringfügig in Richtung einer höheren Gedankenfreiheit überarbeitet.

Viel Spaß beim Lesen – und natürlich vor allem beim Trainieren.

P.O.


 

Bild aus dem Blog aikidotenjinkai.centerblog.net

(Foto: Christian GELING)

Nichts entsteht einfach aus dem Nichts heraus! Japan ist die Geburtsstätte von Künsten, die wir mit einem Engagement üben, das im Land der Aufgehenden Sonne so nicht mehr gelebt wird. Das Land hat der Welt ein Erbe vermacht, das geduldig über die Jahrhunderte einer von Leidenschaften geprägten, spannenden Geschichte entstanden ist, einer Abwechselung von Verwerfungen und kurzlebigen Versöhnungen. Bis dann einige echte Staatsmänner ihre Eigeninteressen ausreichend zurückstellen konnten und es vermochten, eine dauerhafte Pax Japonica zu etablieren, die danach kaum noch in Frage gestellt wurde.

Die Bezeichnung „WA“ („Frieden“), die man beispielsweise in „Showa“ wiederfindet (der „Aufgeklärte Frieden“, d.h. die Ära von 1926 bis 1989), oder in Wado-Ryu (ein von Meister Hironori OTSUKA entwickelter Karatestil, der das Auffangen von Angriffen durch locker ausgeführtes Ausweichen bevorzugt), ist in der japanischen Umgangssprache mittlerweile ein Synonym für „Japan“ geworden. Weiterlesen

„PASSION JAPON“ – ein Buch für alle Budoka

Das Buch „PASSION JAPON“ („Japan leidenschaftlich„) wurde am 7. Oktober 2013 fertig. Sein Autor hat eine Leidenschaft für Japan entwickelt und wurde in dieses Land vom Edelsten gelockt, das es hervor gebracht hat: dem Budo, also dem kulturellen Sockel, auf dem sich eine echte Zivilisation aufgebaut hat, deren Mittel in die ganze Welt exportiert und überall mit dem Interesse und oft der Leidenschaft aufgenommen wurden, die ihnen gebührten.

PASSION JAPON“ nimmt einen einwöchigen Aufenthalt im Frühling 2013 in Japan zum Anlass, um auf dem Wege manchmal (oder oft) amüsanter Anekdoten ein Land vorzustellen, das immer noch weitgehend unbekannt ist, insbesondere (und das sollte eigentlicht nicht sein) von vielen Praktizierenden des Budo.

Die vielfältigsten, aber auch die zeitlosesten Aspekte der japanischen Zivilisation werden fein durchkämmt und mit der Distanziertheit dargestellt, die entsteht, wenn man ein Land über vierzig Jahre hinweg immer wieder besucht und davon allein zehn Jahre in Tokio damit verbracht hat, bei Sensei Aikido zu lernen, deren Meisterschaft in dieser Kunst außer Frage steht. Weiterlesen

IM ANGEDENKEN AN MEISTER NORO (21. Januar 1935 – 15. März 2013)

DEM GRÖßTEN VON ALLEN

Ein großer Meister ist von uns gegangen.

Der größte Meister ist nicht mehr.

Am 15. März 2013 hat der Mann, der die spirituelle und technische Botschaft von Meister UESHIBA am besten integriert, verinnerlicht, aufgenommen und deren Übertragung sein gesamtes Leben gewidmet hat, unsere Welt verlassen: der große, der sehr große, der überragende Meister Masamichi NORO. (Das ist natürlich eine sehr persönliche Meinung, doch wer direkten Zugang zu seiner Lehre hatte, wird dem sicher nur beipflichten können.) Weiterlesen

DAS EWIGE JAPAN (Teil 5)

AUF DER SUCHE IM ALTEN KIOTO: WIE BEKOMMT MAN EINEN ALTEN KATANA REPARIERT?

In Shizuoka führt eine Einkaufsmeile zum SENGEN-JINJA-Tempel. (Von diesem legendären Ort ist in einem früheren Artikel die Rede.) Diese Straße beginnt mit einem großen roten Torbogen und steckt immer schon voller kleiner alter Läden. Darunter gibt es einen Trödler, bei dem man manchmal, wenn man richtig sucht, authentische Stücke findet, die für uns ausländische Budo-Anhänger etwas ganz Wunderbares sein können, bei den lokalen Einwohnern jedoch kaum Beachtung finden.

Ein früherer Besuch erbrachte schon mal einen besonderen Fund: einen Schwerthalter, der das Wappen der TOKUGAWA trug (berühmte Shogun-Familie aus dem 17. Jahrhundert); der Händler schien damals froh und in Eile, das Teil loszuwerden – vielleicht hatte es schon seit 5 oder 10 Jahren in seinem Laden Staub gefangen?

Dieser Mann ist meine erste Anlaufstelle für die Reparatur des Griffs eines antiken Katana, den ich im Gepäck mitgebracht habe, und der nun erstmals seit – wer weiß? – vielleicht über hundert Jahren wieder in Japan ist. Weiterlesen

DAS EWIGE JAPAN (Teil 4)

ERGÄNZENDE ANMERKUNGEN ZUM DRITTEN TEIL

und

ÜBERSETZUNG EINIGER AUSSAGEN VON MEISTER MINORU MOCHIZUKI

(aus einem Pressespiegel entnommen)

Einer der vorigen Weblog-Einträge enthielt etwas Kritik daran, wie manche den „Aikido-Markt“ seit einigen Jahrzehnten gewissermaßen überfallen und an sich gerissen haben, und das ist gar nichts neues.

Mit den Jahren und den Jahrzehnten geht es zu wie in der Politik. Die schlauesten und listigsten, die durch keine Sentimentalität behindert sind, gelangen an die Spitze, und treten dabei, wenn es sein muss, auch ins Gesicht ihrer Vorgänger oder auf manche Freundschaften. Weiterlesen