Aikido-Videokurs, 1. Folge

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Alles fängt bei uns an mit dem Prinzip der Bewegung. Aikido beginnt (und endet) mit Bewegung. Bewegung ist alles. Bewegung ist das Leben selbst. Wo keine Bewegung, da kein Leben. Wo keine Bewegung, da kein Aikido.

Bitte befolgen Sie sehr sorgfältig die Bewegungsabläufe in den Aufnahmen.

Diese Aikido-Kurseinhei werden sich über Monate und vielleicht noch länger erstrecken. Wir werden insbesondere hervor heben, wie wichtig Körperhaltungen sind. Darauf kommen wir später zurück. Aber schon jetzt sollten wir uns von Anfang an die richtigen Angewohnheiten zulegen.

Die Sitzposition auf den Knien heißt SEIZA, was einfach „richtiges Sitzen“ bedeutet. Wie der Name es schon sagt, soll die Sitzposition sauber, aufrecht, entspannt und nach oben gestreckt sein (die Schädelspitze zeigt geradeaus nach oben zur Decke, oder besser: zum Himmel). Die Beine bilden einen dreieckigen Sockel, darauf ruht das Becken.

Und dann: Aufstehen, gleitend (aber nicht am Boden schleifend) gehen, sich wieder hinsetzen, wieder aufstehen, sich wieder hinsetzen.

Damit fängt das Training an! Man sollte erst die eigenen Grundbewegungen beherrschen, bevor man Fortschritte in den Techniken darauf aufbauen kann.

Wehrhaltung: KAMAE. Wir stehen um drei Viertel zum Partner hin gewandt, also nicht ganz frontal, aber auch ohne die Flanke zu zeigen. Drei Viertel sind da genau richtig.

Man wechselt die Haltung, indem der hintere Fuß nach vorne gleitet, dann der vordere nach hinten.

Fortbewegung – Zunächst auf der Stelle: NAGASHI (Hindurchgleiten). Eine Wendung um 180 Grad.

Zweite Fortbewegung: IRIMI (Körper nach vorn). Das Bein schräg bewegen, um aus der Angriffslinie heraus zu treten, dann weiter wie mit NAGASHI. Es ist einfach! Es ist nicht immer leicht, solange Sie noch nicht daran gewöhnt sind. Aber bitte seien Sie sich immer bewusst: Kompliziert sollte Aikido niemals sein, sondern in seinen Prinzipien immer einfach.

Dritte Fortbewegung: O IRIMI (Körper weit nach vorn). Der hinter Fuß geht nach vorn, dann dreht man sich um 180°. Dabei darf man weder hüpfen, noch irgendwie auf- oder abwärts gehen, sondern sollte auf einer konstanten Ebene bleiben (stabil und ohne jede Höhenänderung).

Fortbewegung mit Partner: Bewegungsfluss, Stabilität, Gleichgewicht. Der Partner muss gerade stehen und mit der Hand nach vorne „zielen“. Die Hand halten wir (wie auf den Aufnahmen) in „TE GATANA“ („Schwert-Hand“).

Erste Bewegung: IKKYO. Nach dem Arm greifen, dann eine weite Kreisbewegung, um den Partner nach unten zu bewegen. Dies basiert auf einer Technik namens „IKKYO“ oder „erste Lehre“. (Früher wurde diese Technik den Anfängern als erste gezeigt und blieb manchmal monate- oder jahrelang die Hauptübung.)

Erste Wurftechnik: KOTE GAESHI. Sehr einfach: Es gibt dabei zwei „O IRIMI“-Bewegungen, einmal hin, und einmal zurück.

Wie die Hand um das Handgelenk des Partners liegt, ist zu diesem Zeitpunkt unwichtig. Wir kommen später darauf zurück.

Nach dem ersten O IRMI sehen Sie, dass Sie den Arm des Partners nach untenbringen müssen, um ihn kurz vor den Gleichgewichtsverlust zu bringen. Dann „springen“ Sie sofort zum zweiten Teil der Technik und werden Sie ihn mit einer weiten Körperbewegung.

Situative Anwendung: Auf einen Faustangriff zum Gesicht antwortet man hier mit einer „O IRIMI“-Bewegung – wieder einmal vorwärts und einmal zurück. Die Hand blockiert den Angriff nicht, sondern wickelt ihn als Bestandteil einer Gesamtkörperbewegung ein, mit der man aus der Ziellinie austritt. (Man muss dabei ständig in Bewegung bleiben.) Ein zusätzliches Detail: Der Ellbogen kommt in einem angedeuten Ablenkungsschlag (ATEMI) zum Kinn nach vorn. Damit verschafft man sich die Möglichkeit, nach dem Arm zu greifen und die Sache mit einer IKKYO-Bewegung abzuschließen.

Der Faustangriff in dieser Übung sollte langsam kommen. Es gibt da nichts zu beweisen. Und gehen Sie bitte auch nicht davon aus, dass Sie hier schon Selbstverteidigung üben. Der Selbstverteidigungsaspekt kommt nämlich von selbst, aber erst später. Der wichtige Punkt ist: Beginnen Sie Ihre Beweung in dem Moment, in dem der Partner auch seine Bewegung beginnt. MIt anderen Worten: Warten Sie nicht. Warten ist Sterben (zumindest in der Symbolik des BUDO, also der japanischen Kampfkünste – dort ist der Gedanke vom symbolischen Sterben oder Überleben immer präsent).

Zum Abschluss sehen wir noch mal KOTE GAESHI, und zwar in einer Anwendung mit sanfter und lockerer Landung des Partners auf dem Boden („sanft“ sollte das Schlüsselwort zu jeder Handlung im Aikido sein). Der Rhythmus bleibt konstant (schnell muss er gar nicht sein, sondern vor allem gleichbleibend). Nutzen Sie einen weichen Boden, z.B. Rasen oder Sand oder einen dicken Teppich.

Üben Sie diese Grundbewegungen immer und immer wieder, bis sie Ihnen vertraut sind. Schauen Sie sich auch die Aufnahmen immer wieder an, um sie auf sich wirken zu lassen. Die nächste Einheit wird Sie einen Schritt weiter führen. Doch vorher sollten Sie die Grundlagen dieser ersten Einheit verinnerlicht haben.

Sie werden sich dabei selbst überraschen… sofern Sie die Ratschläge befolgen und regelmäßig üben. Wenn Sie nicht so oft üben können, wie Sie es gern täten, dann schauen Sie sich einfach wiederholt die Aufnahmen an. Auf diese Weise arbeitet das überaus wichtige visuelle Gedächtnis mit.

Viel Spaß beim Training und bis bald!


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