EINDRÜCKE VOM BERLINER LEHRGANG (9. bis 11. FEBRUAR 2018)

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Dieses Foto hebt die Leitidee des Lehrgangs hervor: Entdeckungen und Freundschaft. Thorsten (Deutschland) und Thierry (Frankreich) arbeiten beim Irimi Nage am Prinzip der führenden Hand, wie im Bericht von Alexander beschrieben. (Foto geschossen von A. Hohmann bzw. G. Engrand)
Beachten Sie die perfekte Haltung: Einleitung der Rotation in der aufnehmenden Bewegung des Partners, linke Hand ausgestreckt, gerader Körper; die rechte Hand sanft im Nacken des Uke aufliegend, um die Richtung der Bewegung zu bestätigen.

Unsere Lehrgänge

Ein Lehrgang ist eine Begegnung von Menschen; Begegnung der Seelen, weil uns das Aikido bekanntlich bis in die Grundfeste unsere Seins bewegt, das aus Fleisch und subtilen Wellen besteht.

Nach einam traumhaften Besuch des Schlosses Sanssouci, dem „Versailles von Berlin“, scheinen wir ein bisschen in Zeitnot zu sein. Doch der Berliner Verkehr ist für einen Freitagnachmittag ungewöhnlich flüssig und wir kommen rechtzeitig im Dojo an.

Das Dojo ist bei der Ankunft noch zu. Eine freudige Begegnung vor der Tür: Fast gleichzeitig mit uns kommt eine junge Aikidoka mit prachtvollem rotblonden Haar, frisch aus dem Flieger aus München gestiegen, und teilt gleich mit: „Wenn Sie schon nicht zu uns kommen, dann komme ich eben nach Berlin… Hoffentlich werden Sie mich auflockern, weil ich das wirklich nötig habe…

Die Aussage, als kleiner Vorwurf gekleidet, nehme ich als Herausforderung, die würdig angenommen werden soll; diese junge Person, allen anderen Teilnehmern völlig unbekannt, wird dann auch bei den ersten drei Bewegungsvorführungen und Erläuterungen nach vorne geholt.

In Wirklichkeit ging es nicht nur darum, eine Teilnehmerin nach den Ermüdungen einer längeren Anreise „aufzulockern“, sondern es bestand eine implizite Absprache, eine technische Arbeit fortzuführen, die wir im November 2016 während eines Lehrgangs des Vereins in München-Laim begonnen hatten: Bewegungen in Zeitlupe mit dem einzigen Fokus auf der richtigen Körperhaltung in solch grundsätzlichen Bewegungen wie Ikkyo, Nikkyo, Sankyo. Das kann auch beispielsweise auf Kote Gaeshi oder Kaiten Nage angewandt werden. Diese Bewegungsvorbereitungen sind noch keine eigentlichen Techniken, sondern sie sollen deren Ausführung erst einmal eine Orientierung geben. Sie bringen nämlich den Körper erst einmal wieder in seine richtige Ordnung, bringen die Gliedmaßen miteinander in Phase, und wer sie schon mal ausprobiert hat, erinnert sich für immer als etwas daran, das fast unerreichbar ist, wenn man doch meistens schon in technischen „Zwängen“ gefangen ist, obwohl der Körper eigentlich erst einmal mit etwas Einfacherem anfangen wollte…

Die Telepathie verrichtet bei Menschen ihr Werk, manchmal bewusst, meistens nicht, und so fanden wir zwei Partner vom November 2016 uns hier wieder, um nach 15 Monaten Pause die damals unterbrochene Arbeit ohne weitere Worte fortzuführen. Das war wie ein Geheimcode, unausgesprochen und für die anderen Teilnehmer unerkannt – sie werden erst durch diese Zeilen den Anfang der ersten Trainingseinheit verstehen. Denn in unseren Lehrgängen hat alles ein Sinn, nichts wird je dem Zufall überlassen…

Aber übergeben wir die Feder lieber an Alexander, der als leidenschaftlicher Aikidoka am gesamten Lehrgang teilgenommen hat und auch der wohlwollende Übersetzer dieses Blogs ins Deutsche ist. Man findet in diesen Zeilen die diversen Phasen wieder, die ein Aikidoka bei einem Lehrgang durchläuft.

Aber der Leiter dieses Lehrgangs findet in den nachfolgenden Zeilen alles genau ausgedrückt, was er vermitteln, übertragen, fühlen lassen wollte. Denn klar ist, dass in unseren Lehrgängen (die Mehrzahl „uns“ ist hier erforderlich, denn diese Lehrgänge sind das Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen dem Lehrgangsleiter und den Teilnehmern ähnlich der zwischen einem Dirigenten und Musikern) jeder ein Mitgestaltender ist. Der Leiter gibt nur Richtungen für Übungen, Überlegungen und spätere, weitere Nachforschungen vor… Das alles fand in einem aufmerksamen Ambiente statt, es wurde auch gern gelacht. Mit guter Laune üben – das kann man wirklich nur empfehlen.

Nächster Halt: PARIS!

Vielleicht ist es jetzt dafür etwas spät, wenn Sie die Information bisher noch nicht hatten. Aber wer weiß? Sie können immer noch in einen Flieger hüpfen, wenn Sie weit weg wohnen, oder sich zu mehreren ein Auto teilen oder den Nahverkehr nutzen, wenn sie in der Nähe leben. Und selbst wenn Sie sich nicht vorher anmelden, bleibt Ihnen die Tür offen. Wir treffen uns Freitag Abend um genau 20 Uhr in der Sporthallt „Gymnase Boullouche“, 1, allée de l’Espoir in Ozoir-la-Ferrière 77330 (Frankreich).

Pascal OLIVIER.


Die französische Originalfassung dieses Artikels erschien am 18.02.2018.

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