IM ANGEDENKEN AN MEISTER NORO (21. Januar 1935 – 15. März 2013)

DEM GRÖßTEN VON ALLEN

Ein großer Meister ist von uns gegangen.

Der größte Meister ist nicht mehr.

Am 15. März 2013 hat der Mann, der die spirituelle und technische Botschaft von Meister UESHIBA am besten integriert, verinnerlicht, aufgenommen und deren Übertragung sein gesamtes Leben gewidmet hat, unsere Welt verlassen: der große, der sehr große, der überragende Meister Masamichi NORO. (Das ist natürlich eine sehr persönliche Meinung, doch wer direkten Zugang zu seiner Lehre hatte, wird dem sicher nur beipflichten können.)

Da dieses Schicksal jeden von uns früher oder später ereilt, liegt es in der natürlichen Abfolge der Dinge, dass die Menschen, die uns teuer sind, nach und nach von uns gehen; doch mancher Verlust, so naturgemäß er sein mag, kann uns jenseits jeglicher Sentimentalität nur einen bitteren Nachgeschmack und vor allem eine unfüllbare Leere hinterlassen, so stark ist das Gefühl, dass jemand fortgeht, der ein unersetzlicher Maßstab war.

Meister NORO war ein wahrer Virtuose des Aikido, seine Sonne erstrahlte fünf Jahrzehnte lang über die Übungen von Tausenden, ja, Zehntausenden von Aikidoka. Er war dem Aikido, was Mozart der Musik war. Auch wenn er diese Kunst nicht erschaffen hatte, konnte er sie doch durch jede Pore erfühlen, sie seiner Seele einverleiben, ihr Leben einhauchen, und sie für jene in eine verständliche Form übersetzen, die ihr ihr Herz öffneten.

Meister NORO erschuf das KINOMICHI, womit er nur fortschrieb, was er im tiefsten seines Selbsts empfand, und er hörte nie auf, die Botschaft von Meister UESHIBA zu verbreiten. Zwar war der Name ein anderer und die Form hatte sich unter bestimmten Gesichtspunkten weiter entwickelt, doch möchte man wie beim Tod eines einzigartigen Künstlers sagen, dass seine Gestik, sein angeborener Sinn für Schönheit und Einklang, die erstaunliche und fast entmutigende Leichtigkeit seiner Bewegungen es unmöglich erscheinen lassen, dass die Welt noch einmal solch einen Menschen hervor bringt.

Der Meister der Harmonie

Man wird in den modernen elektronischen Quellen Biografien und Videoaufnahmen des Meisters aus den letzten Jahren finden. Seltsamerweise lässt sich trotz des immensen Reichtums des Internets nichts darüber finden, was seine Spuren im reinen Aikido betrifft (d.h. aus der Zeit, bevor er seine Lehre in KINOMICHI umbenannte, womit zwangsläufig eine schrittweise Veränderung ihren Lauf nahm).

Es gibt allerdings noch eine Filmsequenz aus den Siebziger Jahren, die in Paris im Pleyel-Saal aufgenommen worden ist. Sie lässt die Virtuosität von Meister NORO durchscheinen. Er leuchtet dort in einer Übung „Misogi no Jo“ bzw. „Handhabung des reinigenden Jo“ (Jo = halblanger Stock), ganz im Sinne dessen, wie Meister UESHIBA sie verstand und oft selbst in improvisierten Bewegungen vorzeigte. Die Sequenz ist sehr kurz, kaum länger als eine Minute. Man sollte sie sich anschauen, wieder und wieder, und darüber nachdenken, sie mit den Augen der Seele trinken, so atemberaubend ist die Kunst des Meisters, den man ohne Übertreibung als unnachahmlich bezeichen kann.

Ich möchte hier als ganz persönlichen Beitrag meine allererste Begegnung mit Meister NORO erzählen. Zwar kann ich nicht von mir behaupten, sein Schüler gewesen zu sein, sondern bestenfalls der bescheidenste seiner Lehrgangsteilnehmer in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahren (auch wenn die Eindrücke, die man von einem Lehrgang oder einer Vorführung mitnimmt, so bedeutsam sein können, dass sie einem die Seele auf den Kopf stellen und für immer die eigene Aikidopraxis, wenn nicht sogar das eigene Schicksal ändern).

Wenn man in den Siebziger Jahren neugierig auf Aikido war, war es ein leichtes, Dojos zu besuchen und zu Lehrgängen und Vorführungen zu gehen. Diese Kunst verbreitete sich damals nämlich rasant und lieferte dem Interessenten zahlreiche Gelegenheiten.

Aber das „Institut Noro“ war eine Ausnahme. Keine Werbung, keine öffentlichen Lehrgänge, keine Vorführungsankündigungen, die lang und breit in den Zeitschriften angekündigt worden wären. Es war nur ein Name, nur vier Buchstaben, dafür besonders klangvoll, man möchte sagen: besonders wahr.

Es gab damals die Zeitschrift „BUDO“, immer noch in guter Erinnerung, die sich an die passionierten Budo-Praktiker richtete. Sie lebte von der Energie ihres Chefredakteurs Roland HABERSETZER, der auch heute noch in der Verbreitung der Kampfkünste aktiv ist. Die Ausgabe aus dem Januar 1972 (das ist zugegebenermaßen schon ein Weilchen her) kam als „Aikido-Sonderheft“ heraus. Darin erschien nebst verschiedener Artikel über den Gründer eine Fotoseite mit Aufnahmen aus dem Pariser Pleyel-Saal (ja, dem gleichen wie aus der obigen Filmaufnahme!), auf denen fast die gesamte Riege der direkten Schüler von O Sensei in Europa an einer gemeinsamen Vorführung teilnahm: TAMURA, TADA, NAKAMURA…

Auf drei dieser Fotos erscheint in kleinem Schwarzweiß-Format ein Mann in Positionen, denen man die äußerst hohe Beweglichkeit ansieht, obwohl es Fotos sind – und jeder weiß, wie schwierig es ist, auf Budo-Fotos vorteilhaft auszusehen, nicht wahr? Wer hat nicht schon selbst sein Fett abbekommen, als er Fotos von sich selbst entdeckte, die vielleicht nicht kompromittierend, aber auch nicht wirklich von erlesener Anmut waren: gebrochene Körperhaltung, unschönes Grinsen, hochgezogene Schulter…

Meister NORO hingegen erschien auf diesen Fotos gelassen, er fühlte sich augenscheinlich sehr wohl, leuchtete in seinem weißen Hakama, war von unnachahmlicher Eleganz in seinen Haltungen (das Wort „unnachahmlich“ rutscht wirklich immer wieder wie von selbst in seine Beschreibung), und der Blitz des Fotografen schien seinen weißen Anzug und sein sonniges Gesicht fast elektrisch erstrahlen zu lassen.

Entdeckung der Harmonie

Von gesunder Neugier getrieben begab ich mich in den letzten Tagen von 1976 ins Pariser Dojo von Meister NORO, nachdem ich endlich den Ort gefunden hatte, an dem der Meister aus den so beeindruckenden Fotos lehrte – wohlgemerkt in einer Zeit, in der es weder Internet-Suchmaschinen noch Gelbe Seiten gab.

Das Dojo gehörte keinem Verband an und war ein recht geschlossener Ort: Zuschauer hatten keinen Zutritt, Schnuppertraining gab es auch nicht. Kurzum, um in den Genuss der Lehre des Meisters zu kommen, musste man einen Obolus an den Verein sowie einen regelmäßigen Mitgliedschaftsbeitrag entrichten, was für einen 16-jähriger Schüler nicht drin war.

Man bemerke übrigens, dass Meister NORO auf diese Weise seinen Schülern die Qualität eines gänzlich auf das Aikidotraining konzentrierten Moments garantierte, frei von jeder äußeren Ablenkung. Wer hat sich nicht schon manchmal (oder oft sogar) daran gestört, als man gerade eine bestimmte Technik zeigte oder etwas erläuterte, das den Schülern besondere Konzentration abverlangte, und plötzlich die Tür der Sporthalle mit lautem Knarzen aufging weil irgendein Schaulustiger rücksichtslos und ohne Achtung für die gerade ausgeübte Kunst herein wollte?

Es war allerdings möglich, an den Lehrgängen teilzunehmen, die der Meister ein Mal im Monat am Wochenende leitete, und dafür zahlte man nur für die Anzahl Stunden, die man teilnehmen wollte. Das war eine kleine und sicher bewusst offen gelassene Lücke in der hermetischen Organisation des Dojo, durch die aufrichtig lernbegierige Aikidoka sich Zugang zum Unterricht von Meister NORO verschaffen konnten.

Es war zwar kein Fallbeispiel für das berühmte Sprichwort, „Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister“, doch der schwierige Zugang zur Lehre des Meisters machte sie zu etwas, das man „sich verdienen“ musste. Man musste schon wirklich teilnehmen wollen und vielleicht sogar opferbereit sein, denn billig waren die Kurse nicht.

Was hatte ich mir da eingebrockt! Ich hatte ja gerade erst meinen 3. Kyu, ignorierte aber einfach den progressiven Aufbau des Lehrgangs (die ersten Stunden gehörten den Anfängerstufen, die letzten den Fortgeschrittenen) und kam einfach für die letzte Unterrichtsstunde… Ich weiß bis heute nicht, warum man solch einen Knirps mit Weißgurt und ohne Hakama überhaupt in einen Kurs herein ließ, der eigentlich den Leuten mit Erfahrung vorbehalten war. Ich lag ja trotz meiner vier Jahre Training weit hinter dem notwendigen Niveau zurück.

ERINNERUNG AN EinEN ALLES entscheidendeN Moment

Nachdem ich die Tür diskret geöffnet und hinter mir geschlossen habe, werde ich sofort richtiggehend „weggepustet“ vom Wind der Harmonie, der machtvoll zwischen diesen weißen Wänden weht, über den mit beigem Segeltuch bedeckten Matten. Auf der hinteren Wand, dem „Shomen“, hängt ein sehr großes Porträtfoto von Meister UESHIBA (das famose Foto, auf dem er vor einem Baum steht, die rechte Hand am Stamm, in der nach unten gesenkten linken Hand ein Bokken, und der Blick erscheint stechend, obwohl es ein relativ unterbelichtetes Schwarzweißfoto ist).

Vor dem Porträt sitzt ein kleiner Mann im Seiza-Sitz, ganz in weiß gekleidet. Meine Ankunft scheint ihn leicht zu stören („Wer ist das? Was tut er hier?“). Ich grüße den Meister, der mir mit einem irritierten Kopfnicken antwortet. Er ist kein schöner Mann im üblichen Sinne; aber er ist von Schönheit, weil er von innen heraus leuchtet. Seine sonnengegerbte Haut, vielleicht sein leicht rosaner Teint, stehen im Kontrast mit dem Weiß seines Dogi und Hakama. Letzterer, wenn man genau hinschaut, ist nicht weiß, sondern elfenbeinfarben. So viel Adel in seiner Haltung, die dennoch völlig entspannt ist! Auch Meister UESHIBA dürfte ähnliches ausgestrahlt haben.

Die Aikidoka bewegen sich in unaufhörlichen Spiralen, so rund sind die Bewegungen während ihrer Technikübungen. Einer der Instruktoren lädt mich gleich ein, sich zu seiner Arbeitsgruppe zu gesellen, und wir sind zu dritt. Ich schaffe es tatsächlich, die Bewegungen nachzuahmen, ohne zu denken, ohne Pause, sogar ohne den Ablauf des Keiko zu stören! Aus der Notwendigkeit des Moments heraus entsteht eine außergewöhnliche Inspiration. Das Dojo ist von einem solchen Geist bewohnt, dass man sich von der dort vorherrschenden Harmonie wie getragen fühlt.

Es naht der Moment, der mein Leben verändern wird.

Meister NORO erhebt sich plötzlich und ruft mit seiner sonoren Stimme: „Ja, danke!“ Sofort zieht sich die Welle der Aikidoka an den Mattenrand zurück, mit dem Rücken zum Eingang, während der Sensei bereits auf den Matten aktiv wird, den Uke auf absolut unglaubliche Art wirft, mit einem solchen Sinn für Harmonie, wie ich ihn niemals, weder vorher, noch danach, erlebt habe.

Die Technik ist ein Kokyu Nage auf einen direkten Griff vom Typ Katate Dori; diese famose Umkehr in Richtung des Gesichts des Partners, aber vor allem IN RICHTUNG HIMMEL, die viele Namen trägt: Kokyu, Sokumen Irimi, Ura Irimi Nage…

Ohne die kleinste Pause, ohne ein einziges ungenutzt gelassenes Stück Zeit, findet das Wunder des Einklangs wirklich jedes Mal zwischen dem Meister und seinem Schüler statt: das schnelle Herankommen des Partners, die leichte und subtile Fortbewegung des Meisters, die beiden Hände mit dem Handteller zum Himmel, die eine nach oben geführt, die andere auf Gürtelhöhe verbleibend, und dem Uke bleibt nichts anderes übrig als still zu gleiten, seine Beine stoßen noch nach vorne, während sein Körper einen Meter über dem Boden ins Leere kippt, um locker und mit kurzem Aufliegen zu landen…

Jeder kennt den Zauber dieser seltenen, dieser äußerst seltenen Momente, die nur wenige Male im Leben geschehen: das Bewusstsein, einen ungewöhnlichen, einen einzigartigen Moment zu erleben, den man als ein Privileg empfindet, nach welchem man in unserer menschlichen Begrenztheit kaum zu streben wagt.
Das ist der Moment, erinnert Euch, Väter, Mütter, wenn Ihr erstmals das Gesicht Eures neu geborenen Kindes seht.
Es ist der Eindruck vom Absoluten, den Astronauten haben sollen, wenn sie auf neuem Boden landen und von dort die Erde, unsere Erde als das schönste blaue Juwel sehen, das die kosmischen Weiten je hervor gebracht haben.
Es ist das Staunen über eine zufällig mitgehörte Probe eines unbekannten Musikers, der unverhofft auf den Fluren des Radiosenders „Concorde“ eine Cellosonate des großen Johann Sebastian BACH spielt. Es ist wie… was weiß denn ich, jeder hat seine eigenen Kriterien und Erlebnisse, und auch seine eigenen Werte…

Das Bild von Meister NORO in Bewegung kam mir in den Sinn, als ich viele Jahre später den folgenden Satz von Meister UESHIBA las:
Aikido ist der reine Ausdruck der Wahrheit.
Die höchste Wahrheit, also jene, die sich nicht durch die Begriffe „wahr“ und „falsch“ definiert, sondern die ganz einfach IST.
Die Wahrheit, die man im Tiefsten der Seele verspürt, der nichts hinzu zu fügen und von der nichts wegzunehmen ist.
Der Ausdruck des Absoluten.
Eine Vision des Zeitlosen, jenseits aller menschlichen Konventionen.
Das Unausdrückliche.
Die Offenbarung, die man vielleicht hat, wenn für uns der Moment gekommen ist, ins Jenseits überzugehen.

Ein neues Leben

Als ich das Dojo an jenem Abend verließ und in die Dezemberkälte hinaus schritt, geschah etwas seltsames. Ich atmete tief die schmutzige Pariser Luft ein, schaute auf die Saint-Vincent-Kirche gegenüber vom Dojo; ich hob den Blick zum Sternenhimmel, und hatte erstmals das Bedürfnis, DANKE zu sagen, danke an Gott, danke an die Schöpfung, danke ans Leben, danke dafür, da sein zu dürfen.
Diese empfundene Harmonie veränderte mein Leben für immer. Es gab somit ein „vorher“, und es würde ein „nachher“ geben, also gewissermaßen ein „seitdem“.
Eine unendliche Suche nach dem Absoluten, nach dieser Sache, die man nicht mit Händen fassen kann, und die dennoch sehr real ist: Eine kurze Stunde lang hatte ich sie im Keiko erlebt; eine Suche nach diesem himmlischen, kosmischen, übermenschlichen Einklang, den ich dort miterlebt hatte.

Denn nach dem Kokyu Nage kam ein Irimi Nage ähnlicher Qualität, dann ein Ikkyo, ein Nikyo, dann ein Sankyo mit Spirale zum Himmel, deren subtile Mechanik sich mir niemals vollständig erschließen wollte… Und ein Shiho Nage, der, wenn man ihn nur einmal gesehen hat, für immer einen süßen und zugleich bitteren Nachgeschmack lässt, so schön war er anzusehen und so unmöglich nachzuahmen… So schön wie der „Herbst“ von Vivaldi, dritter Satz, von I SOLISTI VENETI unter der Leitung von Claudio SCIMONE, auch dies unnachahmliche Genies – der Komponist nämlich, und sein Interpret, der die Seele des Werks zu durchdringen vermag… All das entspringt dem gleichen Prinzip der Einheit, des Einklangs, der Liebe.

Der Leser hat es begriffen: Ab diesem Moment war alles nur noch Suche nach diesem flüchtigen Zustand, dieser Verbindung zum Absoluten, die der Meister denen eröffnet konnte, die ihr Herz öffneten, damit das Leben hindurch floss.

Wenn die Suche nicht irgendwann zur Begegnung mit dieser Wahrheit führte, deren Schleier für einen Moment gelüftet worden war, dann wäre die Suche eines ganzen Lebens umsonst.

Die Kunst – den Tieren vorgeworfen

Die folgende Aussage mag ein bisschen übertrieben sein und mein Freund, der Leser, möge sie mir in seiner großen Güte verzeihen; aber fast alles, was ich danach im Aikido gesehen habe, hatte sowohl auf mich als auf jene, die für die Schönheit der Lehre von Meister NORO empfänglich waren, ungefähr die gleiche Wirkung wie wenn man den „Herbst“ von Vivaldi von Musikern vorgesägt bekommt, die sich damit abmühen, mit ihren Bögen ihre Instrumente quietschen zu lassen und darauf klopfen, um primitive Töne ohne Einklang heraus zu holen, vor allem seitdem manche Leute unbedingt manch längst überholte historische Aufführungspraxis der Barockmusik wiederherstellen möchten… (Anm.d.Übers.: im französischen „les baroqueux„)

Ohne Übertreibung – keine einzige Stilrichtung konnte oder kann mit der wirklich himmlischen Technik von Meister NORO verglichen werden:
eine Technik frei von Ego, und dennoch machtvoll und ohne Kompromisse. Es ist anstrengend, mitzuerleben, wie das Aikido, „Weg der Harmonie und der Liebe“ wie es Meister NORO in seinen Lehrgängen definierte, immer wieder auf die Ebene eines gewöhnlichen Kontrahentensports herunter gezogen zu sehen, aus dem vielleicht der mit den muskulöseren Armen als Sieger hervor geht, aber dabei oft die Zufriedenheitsgrimasse des Höhlenmenschen nach dem Erschlagen von seinesgleichen trägt.

Man darf weder verallgemeinern, noch pessimistisch sein: Wir alle kennen natürlich Meister in Europa, Japan und anderswo, die sowohl die Ethik als die Technik vermitteln, in direkter Fortführung dessen, was der Gründer sich erhofft hatte.

Es gibt glücklicherweise eine große Anzahl an Aikidoka und darüber hinaus an Budoka, die auf ewig einem Ideal der Reinheit nachgehen.
Diese Reinheit kann nur dadurch erfolgen, dass die Bewegung von allem Ballast befreit wird, was wiederum Jahrzehnte passionierter Übung erfordert. Sie kann nur aus dem Wunsch heraus entstehen, nicht etwa den anderen zu beherrschen, sondern die eigenen Triebe zu zähmen, und das ist das Ziel jeder gut verstandenen Budokunst, denn keine dieser Künste verdient es, „Kampfkunst“ genannt zu werden (oder „martial“ im englischen und französischen, nach Mars, dem Kriegsgott), sondern sie sollten vielmehr Wege des Ritters, oder auch Wege des Himmels genannt werden; man könnte sie genau so gut als Mittel definieren, ewig nach einer vielleicht irgendwo existierenden Vollkommenheit zu streben.

Ein letztes Mal: Danke, Noro Sensei.

Pascal OLIVIER.


Die französische Originalfassung dieses Artikels erschien am 22. März 2013.


Siehe auch:

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